In Lauda brütet erstmals seit Jahrzehnten ein Storchenpaar. Drei Jungstörche sind geschlüpft – ein Erfolg für den Artenschutz im Main-Tauber-Kreis.
Lauda-Königshofen. Große Freude herrscht bei den Naturschützern: In Lauda zieht ein Weißstorchpaar derzeit drei gesunde Jungstörche groß. Die Vogelkinder begeistern nicht nur die stolzen Eltern.
Unweit der Tauberaue fühlen sich die Tiere wohl - offenbar ein guter Standort für die majestätischen Vögel. Das Storchenpaar hat sein Familiendomizil auf dem Silodach der ehemaligen Firma Ruppel in Lauda errichtet. Das Ereignis gilt als etwas ganz Besonderes, denn nach rund 50 bis 60 Jahren brütet erstmals wieder ein Storchenpaar im Main-Tauber-Kreis. Für die Naturschützer ist dies ein großer Erfolg, da in den vergangenen Jahren zwar immer wieder Störche bei der Nahrungssuche oder auf ihrem Zug beobachtet wurden, ein Brutversuch jedoch ausblieb.
Die drei kleinen Vögel lassen es sich auf dem Firmendach gut gehen. Dem Schlüpfen der Jungvögel ging eine etwa 30 Tage dauernde Brutzeit voraus. Während dieser Zeit wechselten sich beide Altvögel regelmäßig beim Bebrüten der Eier ab, informiert Michael Salomon von der örtlichen NABU-Gruppe. Vor rund drei Wochen war es dann so weit: Die Jungstörche erblickten das Licht der Welt und schlüpften aus den Eiern. Seitdem werden sie von Mama und Papa Adebar liebevoll umsorgt.
Rund zwei Monate dauert diese Nestlingszeit, in der der Nachwuchs komplett auf die Eltern angewiesen ist. Meist bleibt ein Altvogel im Nest und bewacht die Jungen, während der andere auf Nahrungssuche geht. Die Aufzucht verlangt den Storcheneltern dabei viel Energie und Ausdauer ab. Besonders in den ersten Lebenswochen benötigen die Jungtiere regelmäßig Nahrung und Schutz.
Auf dem Speiseplan stehen zunächst vor allem Regenwürmer, Insekten und andere kleine Beutetiere. Mit zunehmendem Alter erhalten die Jungstörche auch größere Happen wie etwa Mäuse.
Entscheidend für den Bruterfolg ist dabei ein ausreichendes Nahrungsangebot in den umliegenden Wiesen und Feuchtgebieten, wissen die NABU-Mitglieder. Reicht die Nahrung nicht aus, könne es vorkommen, dass das schwächste Jungtier nicht überlebt. Dieses Verhalten sei in der Natur nicht ungewöhnlich und erhöhe die Überlebenschancen der stärkeren Geschwister.
Die Naturschützer hoffen, dass die drei Storchenkinder gesund und in Ruhe aufwachsen. Sorgen bereiteten den Naturschützern während der Brutzeit mögliche Störungen durch eine Drohne, die zeitweise über dem Nest beobachtet worden sein soll. Glücklicherweise wurde sie später nicht mehr gesichtet. Solche Eingriffe könnten dazu führen, dass sich die Altvögel bedroht fühlen und ihr Nest verlassen. Im schlimmsten Fall wäre die Brut aufgegeben worden. Einen solchen Verlust des einzigen Storchenbrutplatzes im Kreis hätten die Verantwortlichen sehr bedauert.
Aber auch die zunehmende Umweltverschmutzung stellt eine weitere Gefahr für die kleinen Adebars dar. Insbesondere Plastik- oder Gummiteile könnten von den Altvögeln mit Nahrung wie Würmern verwechselt werden. Gelangen solche Fremdkörper in den Nahrungsbrei, drohen den Jungvögeln schwere Verletzungen bis hin zum Tod.
Wenn alles weiterhin gut verläuft, werden die Jungstörche nach etwa zwei Monaten flügge. Auch danach werden sie noch einige Zeit von ihren Eltern versorgt und begleitet. Sind sie dann mit rund zweieinhalb Monaten selbstständig, brechen die Jungvögel in der Regel Mitte bis Ende August in Trupps in die Überwinterungsgebiete in Spanien oder Afrika auf.
Wer hofft, den Storchennachwuchs im nächsten Jahr wiederzusehen, wird von Michael Salomon enttäuscht. „Die jungen Störche kehren in die Brutgebiete erst mit dem Eintritt der Geschlechtsreife mit drei bis fünf Jahren zurück.“ Für die Laudaer Jungstörche also frühestens 2029. Die beiden Altvögel – sofern ihnen in der Zwischenzeit nichts geschieht – werden den gleichen Brutplatz mit großer Wahrscheinlichkeit wieder aufsuchen, ergänzt er.
Die erfolgreiche Aufzucht der drei Jungstörche sei deshalb nicht nur ein erfreuliches Naturereignis, sondern auch ein wichtiger Erfolg für den Artenschutz. Die Naturschützer haben die Hoffnung, dass sich Weißstörche künftig wieder dauerhaft im Main-Tauber-Kreis ansiedeln.
Fränkische Nachrichten 13.6.2026 Von Diana Seufert
Foto: Reiner Kilb
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Es dürfte allgemein bekannt sein, dass es einen dramatischen Verlust an Biodiversität und Artenvielfalt gibt. Dies betrifft auch höhlenbrütende Vogelarten, wie z. B. Meisen und Stare, denen immer weniger natürliche NistmögIichkeiten in der oftmals weitgehend ausgeräumten Landschaft zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund nahm die NABU Gruppe Lauda 2023 in ihrem Schutzgebiet „Echelsee“ eine gezielte Artenschutzmaßnahme für den Star vor.
Günter Lindenau, seit über 30 Jahren aktives Mitglied der NABU Gruppe Lauda, hatte acht Starenkästen angefertigt, die damals in relativ engem Abstand im Schutzgebiet angebracht wurden, da Stare kein eigenes Revier verteidigen und sehr gesellige Vögel sind. Die Hoffnung der Laudaer Naturschützer, dass dieses Nistangebot recht schnell von den Staren angenommen würde, erfüllte sich rasch und auch dieses Jahr sind wohl alle Starenkästen belegt.
Text/Fotos: Michael Salomon
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Bild: Nabu Lauda
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